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Voreilige Schlüsse 1


Meine Krankheit, stellt hohe Anforderungen an die Ärztinnen und Ärzte, die damit in Berührung kommen. Dies deshalb, weil sie kaum bekannt ist, die Datenlage wissenschaftlicher Forschung mager ausfällt, die Symptome der Erkrankung vielfältig und wechselnd sind und noch dazu kein objektiver Test verfügbar ist, der den organischen Charakter der Krankheit zweifelsfrei beweisen könnte.

So geschieht es, dass mir ein altgedienter und zweifellos fähiger Neurologe nach ausführlicher Untersuchung sagt: „Frau Marthaler, es tut mir sehr leid. Die Tests haben ergeben, dass bei Ihnen alles in Ordnung ist.“ Ich frage mich, weshalb ihm das Leid tut. Ist doch super, ich leide also nicht wie befürchtet an multipler Sklerose! Die Antwort auf meine Frage erhalte ich prompt: „Wissen Sie, Frau Marthaler, die Psyche macht komische Sachen manchmal…“ Ach, daher weht der Wind!

Ich behaupte von mir, einen sehr selbstkritischen, zur Reflexion fähigen Geist zu besitzen. So setze ich mich also mit der vom Neurologen vermuteten ‚Diagnose‘ – somatoforme Störung – auseinander. Sie bedeutet, dass meine Lähmungserscheinungen, Taubheitsgefühle und das Kribbeln in Armen und Beinen, die Muskelschwäche, von meiner Psyche verursacht sind und nicht etwa von entzündeten Nervenbahnen.

Und schwupps, bin ich in der Psychoecke gelandet.


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