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Über mich? Ich in einem Wort: Phasentier!

Es gibt die Güggeliphase; ich mag das gebratene Poulet extrem gerne, esse es jede Woche dienstags, wenn der rollende Güggelimann im Nachbardorf sein Lager aufschlägt. Dann wiederum kann ich diese Fleischart, egal wie man sie zubereitet, nicht mehr sehen, geschweige denn essen, monatelang und meine arme Familie verzichtet mit.

Dann gibt's die Malphase, die Häkelphase, die Lesephase, die Sonntagabend-Tatort-kuck-Phase, die Aufräum- und Wegwerfphase, ... Die Liste ist nicht abschliessend.

 

Aber nicht alles in meinem Leben ist Phasen unterworfen. In Freundschaften bin ich ein 'Kleber'; einmal eingegangene, tiefe Banden bleiben bestehen, auch wenn rundherum das Chaos tobt und wenn die beste Freundin wegzieht, so ändert das nichts an ihrem Status, nur daran, wie häufig wir uns sehen können.

 

Beruflich war ich lange auf der Suche; eine Lehre als Detailhandelsangestellte in einem Zoofachgeschäft (dem wohl besten in ganz Zürich!), verschiedene Bürostellen und Jobs in der Gastronomie. Schliesslich führte mich mein Weg an die Universität Zürich, wo ich Chemie, Biochemie und Umweltwissenschaften studiert habe. Doch was fängt man dann damit an? Als Forscherin habe ich wenig getaugt, ich bin zu ungeduldig und verfüge wohl auch über eine zu tiefe Frustrationstoleranz. Somit endete meine akademische Karriere nach dem Masterabschluss in Chemie. Während dem Studium fühlte ich mich häufig furchtbar dumm, besonders wenn einer meiner berüchtigten Professoren sagte: "Na, Sie wissen das, sagen Sie es doch!", ich habe meist nicht einmal die Frage verstanden. Bis ich begriffen habe, dass es nicht an mir liegt, sondern die Fragen grottenschlecht gestellt waren, vergingen Jahre. Ich dachte mir, das kann ich besser und wurde Lehrerin für Chemie an einer privaten Mittelschule in Zürich. 'Meine Lebensstelle!' dachte ich. Es kam anders.

Auf einer Klassenreise nach Amsterdam entzündete sich mein Blinddarm, der Appendix musste noch vor Ort entfernt werden. Danach wurde ich nicht mehr gesund. Ich fühlte mich abgrundtief erschöpft, ertrug keinerlei Lärm, meine Beine und Arme fühlten sich an wie Blei und ich konnte häufig nicht mehr klar denken, die Worte, die ich benötigte, fielen mir nicht ein. Eine schwere Erschöpfungsdepression, war die Diagnose des stellvertretenden Hausarztes und flupp, bezog ich für 100 Tage ein Zimmer in einer psychiatrischen Klinik. Die Fachpersonen der Klinik glaubten mir nicht, dass ich nicht depressiv bin. Sie behaupteten, dass meine Erschöpfung nur Ausdruck und Folge meiner psychischen Verfassung sei. Man versuchte Vieles, von Verhaltenstherapie über Mal- und Ergotherapie, Pharmakotherapie bis hin zu Elektrokonvulsionstherapie. Aller Anstrengungen zum Trotz, die Therapien dort halfen nicht. 

Kurz nach meinem Klinikaustritt äusserte mein nachbehandelnder Psychiater den Verdacht, dass ich an ME/CFS (myalgische Enzephalomyelitis / Chronic Fatigue Syndrome) leiden könnte. Psychische Erkrankungen erachtete er bereits damals als unwahrscheinlich, heute schliesst er sie rundweg aus und ich ebenso. ME/CFS ist eine Ganzkörpererkrankung unklaren Ursprungs, mit ungewisser Prognose und ohne erprobte Therapie, dafür mit einer nicht enden wollenden Liste an Symptomen. 'Nein, danke! Das habe ich bestimmt nicht!' war mein damaliger Gedanke.

 

Nach einer kräftezehrenden Ärzteodyssee, viel Internetrecherche und Studium diverser gedruckter Literatur besteht aber kein Zweifel mehr: ME/CFS hat mich erwischt. Was das für mich als Person, als Ehefrau, Mutter, Freundin und Berufsfrau bedeutet, versuche ich gerade herauszufinden.

Dieser Blog handelt davon, was diese Krankheit anrichtet, welche neuen, auch schönen, Blickweisen sich dadurch ergeben und wie ich und meine Familie, meine Freunde, damit umgehen.  

Ich wünsche allen meinen Website-Gästen viel Lesevergnügen und trotz des ernsten Themas viele humorvolle, leichte Momente beim Stöbern in meinen Beiträgen.

Liebe Grüsse

PS: Mein guter Arbeitgeber hat viel Verständnis und Geduld bewiesen. Leider war ich nach einem Jahr krankheitsbedingter Abwesenheit noch immer nicht arbeitsfähig. Meine 'Lebensstelle' ging auf meinen Stellvertreter über.